Galerie
2010
Neujahrsessen — Ikenobo Workshop — Giardina Messe — «Aufbruch & Neubeginn» — Sogetsu Workshop
«Shinnenkai» — Neujahrsessen der «Schweizerisch-Japanischen Gesellschaft»
10. Januar 2010
Das Neue Ikebana Jahr durfte ich ganz wunderbar beginnen. Ikebana International war von der Schweizerisch-Japanischen Gesellschaft für den künstlerischen, japanischen Beitrag zur Untermalung des Shinnenkai 2010 (Neujahrsessen) im Hotel-Hasenberg, angefragt worden. Ursula Steiner, Lehrerin der Ikenobo Schule, hat ganz unserem Motto entsprechend „Freundschaft durch Blumen“ diese Aufgabe übernommen. Gar nicht leicht, in so kurz bemessener Zeit den Gästen Ikebana näher zu bringen. Mit Bravour hat Ursula Steiner diese Aufgabe gemeistert. So reiste sie am 10. Januar 2010 bei Schnee und Eis, von Bern mit ihrem vorbereiteten, klasssischen Rikka in den Kanton Aargau. Dieses Koten-Rikka sollte als erster Eindruck die Gäste begrüssen. Als das Rikka aufgestellt wurde, war selbst Frau Kurahayashi, Chefin von Ryokan-Hasenberg, beeindruckt. Ein Kunstwerk, das vor dem goldenen Wandschirm seine volle Wirkung entfalten konnte. Da wird man ganz still vor lauter Ehrfurcht.
Eine besondere Ehre war es, dass der japanische Botschafter und seine Gattin den Anlass mit ihrer Gegenwart beehrten.
Vor dem Hauptgericht bot sich für mich die Gelegenheit zu einer kurzen Einführung über Ziel und Zweck von Ikebana International und über die Geschichte von Ikebana. Anschliessend begann Ursula Steiner den ersten Teil ihrer Darbietung mit einem Shoka Sho Chiku Bai, dem klassischen Neujahrsarrangement mit Kiefer, Bambus und Prunusblütenzweigen. Als Kontrast folgte ein Jiyuka (freier Stil), mit dem sie die Gäste auf Anhieb verzauberte. So konnte sie das breite Spektrum des Ikebana, von traditionell bis modern, den Besuchern sehr gut vermitteln. Es war kurz, wunderschön, in dieser stimmigen Atmosphäre eine Ikebana-Vorführung zu erleben.
Die zweite Sequenz wurde vor dem Dessert gewünscht. Ich war mir nicht so sicher, ob das alle Besucher goutieren würden. Die Gäste waren gesättigt von den Köstlichkeiten des Menues und mitten im angeregten Gespräch. Aber es trat sofort Stille ein, als Ursula Steiner zum zweiten Mal angekündig wurde. Sie erklärte den Anwesenden die Symbolik ihres eindrücklichen Rikkas auf der Bühne. Kurz, prägnat und für alle verständlich. Auch das ist nicht einfach, ist ein solches Rikka doch sehr komplex, beinhaltet eigentlich ein ganzes Programm. Ich war tief beeindruckt. Der Applaus war gross und die Glückwünsche ebenfalls. Selbst junge Besucher hat Ursula Steiner in ihren Ikebana- Bann gezogen. Mein ganz grosser Dank geht an Ursula Steiner für dieses grosse Engagement für Ikebana und Ikebana International. Ebenso an Frau Toshiko Waeber, die Ursula Steiner begleitete und unterstützte, und ohne viele Worte immer alles rechtzeitig zur Hand hatte.
Unser Chapter wurde mit einer Anmeldung eines neuen Mitgliedes noch zusätzlich belohnt. Kann ein Start ins neue Jahr noch besser sein?
Angelika Kilp — Präsidentin
Workshop — Drei Freunde des Winters
8. Februar 2010
Am kalten Montag, dem 8. Februar 2010 konnte die Präsidentin, Frau Angelika Kilp 21 Teilnehmerinnen (14 I.I.- Mitglieder und 7 Schülerinnen der Ikenobo-Schule von Frau Suzue Rother im Gemeinschaftszentrum Riesbach begrüssen.
Der Künstlername der Meisterin Shunzuen bedeutet Frühlingsbote und passt gut zu unserem Thema „Zum Beginn des neuen Jahres“, das fast termingerecht nach chinesischem Modus am 14. Februar 2010 unter dem Tierzeichen des „Tigers“ beginnt.
Frau Rother empfing uns mit einem schönen Shofutai zum „Beginn des neuen Jahres“. Diese Sonderform Drei Freunde des Winters wurde erstmals 1546 dokumentiert und wird mit drei traditionellen Materialien in einem entsprechenden Bronzegefäss, OGENSHU, gestaltet. Die Pflanzenteile werden mit über kreuz liegender Kubarihalterung in der Mitte der Öffnung befestigt.
Bei dem speziellen Shoka Shofutai Sanshu-ike Sho Chiku Bai haben die vorgeschriebenen Pflanzen auch eine besondere Bedeutung: Bei Cho, der Kiefer mit den immergrünen Nadeln wird der Wunsch für ein langes Leben verbunden. Chiku, der Bambus mit seinem geraden Wachstum und der Elastizität symbolisiert Stärke, Aufrichtigkeit und Flexibilität. Bai, die Pflaume zeigt als erste mit ihren zarten Blüten am kahlen Zweig, noch vor den Blättern, nach dem Winter ihre Widerstandsfähigkeit für Lebenskraft und neues Leben.
Die Länge der Bambusstange hängt von den Abständen der Wachtumsknoten ab. Es dürfen 3 oder 5 Knoten sein, aber immer eine ungerade Zahl. Eine handbreit über dem Gefässrand befindet sich der 1. Knoten des Bambusstiels, der als SHIN vorn auf den Kenzan gesetzt wird, normalerweise in der Mitte steht, aber hier als Gras betrachtet wird. Während bei den Zweigen von Kiefer und Pflaume als SOE und TAI ein Wechsel möglich ist, können sie auch die Position rechts und links seitlich hinter dem Bambus tauschen.
Auf jedem Platz lagen bereits Zweige und wir durften ein Riesengras mit vielen Abzweigungen aus dem Kübel holen. Die Suche nach den passenden Linien für die Zusammenstellung der eigenen Kreation zu finden, war nicht so einfach. Mit viel Geduld und sorgfältiger Gründlichkeit hat Suzue Rother unsere Schöpfungen kontrolliert und wenn nötig korrigiert.
Inzwischen konnten wir die reichlich mitgebrachten süssen und salzigen Köstlichkeiten geniessen Mit grosser Aufmerksamkeit haben haben wir die flinken Bewegungen der geschickten Hände der Meisterin zur Verbesserung unserer Gestecke verfolgt und möchten uns ganz herzlich für die Organisation dieser Idee bei der Workshop-Leiterin und den Helferinen bedanken. Merci!
Renate Beurer — Chronistin
Giardina 2010 — Garten- und Lifestyle Messe Zürich
17. — 21. März 2010
„Sind die echt?“
So lautete die meist gestellte Frage auf die in den Blumenarrangements aufs frischeste gepflegten Blumen und Blüten. Aber auch: Ist das Ikebana? Kann man diese Gestecke kaufen? Wo ist „die“ Schule?
Es braucht jeweils viel Erklärungen, um den Besuchern in kurzen Worten die Welt des Ikebana näher zu bringen, auch um ihnen zu erklären, dass hier Idealisten am Werk sind, Künstler und Künstlerinnen, die viel Freizeit und finanziellen Aufwand in ein sehr bereicherndes Hobby stecken, welches dann allerdings schon nach wenigen Tagen der Vergangenheit angehört.
Vom 17. bis 21. März 2010 fand innerhalb der GIARDINA, Garten- und Lifestyle Messe in Zürich wiederum eine Sondershow IKEBANA statt. Unter der Leitung von Angelika Kilp (Präsidentin des Ausstellungskomitees und Chairperson von Ikebana International Chapter Zürich) präsentierten 30 Mitglieder von Ikebana International 46 Blumenarrangements zum Thema „Knospen, Blüten, Blätter“. Vertreten waren 7 Schulen: Adachi mit 7 Arrangements, Ikenobo mit 8 Arrangements, Kaden Ryu mit 2 Arrangements, Misho 2 Arrangements, Ohara mit 9 Arrangements, Sogetsu mit 17 Arrangements, Stuttgarter Schule 1 Arrangement. Die Gestecke wurden von insgesamt 27 Damen und 3 Herren erarbeitet.
Es war wie jedes Jahr eine Herausforderung, die Arrangements mit den frühlingshaften Komponenten jederzeit frisch dem zahlreich erschienenen Publikum (67'000 Besucher) zu präsentieren. Die Besucher äusserten sich begeistert über die ausgestellten Blumenarrangements, besuchten auch zahlreich und interessiert die täglich um 12:30h stattfindenden Vorführungen im Forum. Inspiriert von den Ikebana-Gestecken kauften zahlreiche Besucherinnen und Besucher Keramikgefässe, Zubehörartikel und Bücher, die auch dieses Jahr wieder an den integrierten Verkaufsständen angeboten wurden.
Es war eine bereichernde Woche, die letztendlich am Sonntag bei Messeschluss in einer Aufräumhektik zu Ende ging. Um 18:14h waren die letzten „echten“ Blumen bereits „geschnetzelt“…
Sehen wir uns nächstes Jahr wieder?
Daniela Jost
«Aufbruch und Neubeginn» — Ausstellung Ikenobo Study Group Bern
26. — 28. März 2010
Die Ikenobo-Lehrerin Ursula Steiner hat mit ihrer Study Group Bern am Wochenende vom 26. bis 28. März 2010 zum 8. Mal eine Ausstellung im Japanischen Informations- und Kulturzentrum in Bern konzipiert, organisiert und durchgeführt.
Der japanische Botschafter in der Schweiz, ihre Excellenz Herr Komatsu und seine Gattin, Madame Komatsu, beehrten die Vernissage mit ihrer Präsenz. Herr Botschafter Komatsu würdigte in seiner Grussadresse die Verdienste von Ursula Steiner. Er sei jeweils sehr beeindruckt von den klassischen Rikkas, die Ursula Steiner im Auftrag der japanischen Botschaft in Bern regelmässig seit 15 Jahren zu Ehren des Geburtstages des japanischen Kaisers arrangiert. Er schloss seine Grussadresse mit dem Wunsch, dass die Zusammenarbeit von Ursula Steiner’s Study Group mit dem Japanischen Informations- und Kulturzentrum in Bern weiter gehen möge. Ursula Steiner wusste die Grussadresse des Herrn Botschafter sehr zu schätzen. Sie meinte, dass diese Ausstellung wiederum eine wichtige Wegmarke auf dem „Kado“ der Study Group sei und den inneren Zusammenhalt der Gruppe gestärkt habe.
Die Ausstellung stand unter dem Motto „Aufbruch und Neubeginn“. Elsie Streiff, eine Mitbegründerin der Ikenobo Study Group Bern, war mit ihren Arrangements in der Ausstellung präsent, konnte hingegen nicht persönlich an der Vernissage teilnehmen. Sie liess es sich aber nicht nehmen, ihre Gedanken zum Ausstellungsmotto an der Vernissage vortragen zu lassen. „Aufbruch und Neubeginn“ inspirierte Elsie Streiff, die Geschichte des Ikenobo-Ikebana in einem Licht aufleben zu lassen, das den immerwährenden Aufbruch zur Neuinterpretation der Tradition verdeutlicht. Die grossen Ikenobo-Meister haben in ihrer Zeit Aufbruch und Neubeginn gewagt, ohne die Tradition zu verleugnen. Deshalb entwickelt sich das Ikenobo-Ikebana laufend weiter. Aber nicht nur die jahrhundertealten Geschichte von Ikenobo zeugt von Aufbruch und Neubeginn. Auch jedes Arrangement zeugt von Aufbruch, indem es den Pflanzen neues Leben gibt.
Darüber konnten sich 450 Ausstellungs-besucherinnen und -besucher einen Eindruck verschaffen. Die 45 Arrangements waren in stimmungsvollen, thematischen Gruppen, passend zu den Räumen, komponiert. So gab es den Raum mit kostbaren Bronzegefässen wie etwa Usubata und Suiban, wo sich das Ikenobo-Landschaftsarrangement als Suiriku-ike mit Weide und Iris in grosser Kraft und Zen-Klarheit vor dem goldenen Paravent präsentierte. Dazu gesellte sich in stiller Strenge das Shoka-shofutai-isshuike mit blühenden Forsythien. Als Glückwunsch für langes Leben war auch Tsuru-Kame, die Kranich-Schildkröte- Kombination, vertreten, arrangiert mit Mandelzweigen und Kamelien. Als passender Blickfang daneben war ein Obi und eine Lackschachtel mit Kranich-Motiven ausgestellt. Die Ikenobo Study Group erinnerte an ihre eigene Wurzel, indem sie das Geschenk einer ihrer wichtigsten Fördererin aus Kyoto, der Ikenobo-Professorin Nobu Kurashige, ausstellte: ein Faksimile der Rikka-Bilder von Senkei II. aus dem 17. Jahrhundert.
Von Aufbruch und Neubeginn zeugte die weiteren Ausstellungsräume mit einer Variation von Rikka-shinputai und zweiteiligen Arrangements. Okabu und Mekabu präsentierten sich in wunderbar vielfältiger Weise. Es wurde aber auch demonstriert, dass die Ikenobo-Schule nicht nur traditionsbewusst, sondern auch in ganz modernem Kleid erscheinen kann: etwa in Installationen mit Plexiglas oder mannshohen Birkenstämmen und in Jiyukas, die aus der Fülle des Frühlings und der individuellen, kreativen Ideen gestaltet waren.
Die Ausstellungsbesucherinnen und –besucher machten ausserdem regen Gebrauch vom Angebot, das Entstehen von Arrangements live mit zu erleben. Ursula Steiner und Kyoko Ulrich zeigten im Verlauf des Wochenendes vier Demonstrationen, die den Tokonoma-Raum im japanischen Informations- und Kulturzentrum jeweils aus allen Nähten platzen liess.
Bea Stalder
Workshop — Nageire mit pflanzlichem und unkonventionellem Material
12. April 2010
Lea Ruprecht begann ihre Ausführungen mit einem Blick zurück. Früher hiess es oft, in der Sogetsu-Schule sei alles erlaubt. Dies stimme aber in keiner Weise, denn das Wissen über die verschiedenen Formen und Stile – und gerade auch die modernen Ikebana-Arrangements – wurden mündlich von Meister zu Schüler weitergegeben. Hiroshi Teshigahara war dann der erste Headmaster, der die Lehre der Sogetsu-Schule in 4 Curriculum-Büchern niederschrieb.
Die Sogetsu-Schule ist bekannt für Ikebana im freien Stil, bei dem auch unkonventionelles Material verwendet werden darf. Für jedes Arrangement von zentraler Bedeutung sind Harmonie des Gefässes mit Material und Umgebung, Dreidimensionalität und Asymmetrie.
An diesem Abend bestand das unkonventionelle Material aus Acrylstäben, die eigens von Hong- kong importiert worden waren. Dazu erhielten die insgesamt 16 Teilnehmenden 1 Anthurium und 3 Aspidistra-Blätter.
Lea Ruprecht demonstrierte, wie die Acrylstäbe über eine Flamme gehalten sich in kurzer Zeit formen und biegen lassen und sich diese durch Eintauchen in kaltes Wasser ihre Form behalten. Als nächstes zeigte sie uns, auf welche vielfältige Weise Aspididra-Blätter verwendet werden können, z.B. als gerolltes Blatt (ev. mit Bostitch, ohne dass die Klammer sichtbar ist); als verformtes Blatt (mit Hilfe von Draht und Klebeband auf Blattrückseite); als Fächer-Blatt (eine Blatthälfte im mittleren Teil in Streifen reissen) oder als elegant geschwungenes Blatt (formen mit Hilfe eines Bleistiftes)
Auch für Material und Wasser gab sie Hinweise: Durch das Auffüllen des Glas-Gefässes mit Wasser bis zum Rand verändert sich die optische Wirkung des Arrangements und alles pflanzliche Material muss mit Wasser versorgt sein (also auch Aspidistra-Blätter, von denen angenommen werden könnte, dass sie auch ohne Wasser einige Tage halten würden).
Nach dieser Einführung machten sich die Teilnehmenden voller Elan ans Werk. Da und dort zeigte zwischendurch ein Knacken an, dass ein zu fest erhitzter oder gebogener Acrylstab entzwei gebrochen war. Aber nicht nur das Biegen, auch das Platzieren der Stäbe im Gefäss und das Arrangieren von Blume und Blättermaterial erforderten viel Geschicklichkeit, galt es doch, die Anweisungen bezüglich Dreidimensionalität und Asymmetrie in die Tat umzusetzen. Dies waren auch die Punkte, die Lea Ruprecht bei ihrer Korrektur hervorhob: Wirkt das Arrangement dreidimensional, verfügt es über genügend Tiefe?
Zum Schluss dankte die I.I. Präsidentin Angelika Kilp der Workshop-Leiterin Lea Ruprecht für diesen gelungenen und kreativen Abend, der mit einem kleinen Imbiss von leckeren mitgebrachten Köstlichkeiten ausklang.
Elisabeth Gubelmann
